Andis Sicht auf zwei Schnitzäxte

Hallo,

bereits letztes Jahr hat sich Uwe die Schnitzaxt von Gränsfors geordert, um damit Löffel zu schnitzen. Diesen Sommer habe ich mir das Schnitzbeil von Svante Djärv ins Haus geholt, um damit Gewandnadeln zu werkeln. Also Zeit für einen Vergleich!

Bei Gränsfors gibt es ja nicht viel Auswahl: Ein Bildhauerbeil steht im Sortiment, fertig. Das ist dafür von Wille Sundqvist entworfen, ein Schwede, der das traditionelle Schnitzen mit der Axt nicht nur wiederbelebte, sondern auch wieder modern machte. Als er seinerzeit nach einer Axt suchte, gab es keinen Schmied mehr, der Schnitzäxte fertigte. Also suchte er eine Schmiede und fand Gränsfors Bruks. Dort arbeiten mehrere Schmiede, wobei jeder Werkzeugschmied “seine” Äxte fertigt. Drum stehen auch die Initialen des Schmieds auf dem Beil.

Das Teil musste ich natürlich gleich mal testen, nachdem Uwe davon so schwärmte. Du kannst das Beil in die Hand nehmen und gleich losschnitzen, ist irgendwie selbsterklärend und fühlt sich sehr selbstverständlich an. Schnitzt fast von selbst, das Ding… die Schnitzkraft lief mir aber gleich mal davon, statt Nadelbindenadelrohlingen bekam ich nur Späne.

Vorteilhaft ist die Schnittkraft, wenn man aus großen Holzstücken seine Rohlinge rausarbeiten will. Dadurch dass die Schneide auf einer Seite fast plan ist – also als Behaubeil geschliffen ist – kann man sehr gezielt ebene Flächen freilegen. Aber ich hatte bei kleineren Werkstücken (und das ist ja mein Hauptarbeitsgebiet) zu wenig Kontrolle über die Gewalt des Schnitzgeräts.

Bei S. Djärv Hantverk gibt’s nur den Schmied und seine Frau. Gemeinsam erstellen sie um die 4000 Werkzeuge im Jahr. Die beiden machen alles was man zum Schnitzen braucht – vom Graviermesser bis zum Schnitzbock. Nett ist auf deren Homepage die Auflistung der Werkzeuge nach Projekttyp. Das ist erstaunlich wenig Werkzeug, wenn man mal mit Pfeil oder Stubai vergleicht… Bei den Äxten ist die Auswahl groß: Drei Schnitzäxte, eine Bildhaueraxt sowie mehrere Spalt- und Fälläxte. Interessant ist auch die nach Fund gefertigte Wikingeraxt, von der es auch eine kleinere Variante gibt.

Ich habe mich für die mittlere Schnitzaxt entschieden, die mit 0,8 kg ein handliches Gewicht hat. Svante Djärv hat, wie auf einigen Bildern zu sehen ist, relativ kleine Hände – dementsprechend ist auch sein Werkzeug gearbeitet, was sehr gut zu meinen Händen passt. Die 200 Gramm weniger zur Gränsfors spürt man sofort beim ersten in-die-Hand-Nehmen. Richtig angenehm, passt perfekt. Dann die ersten Schnitzversuche. Schneidet fast nix. Iritiert schaute ich mir die Schneide an. Ist doch geschliffen? Nächster Versuch: Ah ja, mit dem richtigen Winkel geht’s wunderbar.

Im Gegensatz zur Gränsfors, die Holz abträgt, egal wie Du sie hältst, kommt es hier auf die richtige Handhaltung an. Wenn man die Kleine benutzt wie ein Kerbschnitzmesser, kann man damit genauso detailgetreu arbeiten wie mit einem kleinen Schnitzmesser, nur kraftvoller, wenn einem danach ist. Bei den ersten Werkeleien (es waren Gewandnadeln) habe ich immer abwechselnd mein Rosenmesser (von Pfeil) und die mittlere Svante benutzt. Sowohl beim Erarbeiten des Rohlings als auch im Detailbereich arbeitet das Beil perfekt, das Schnitzmesser brauche ich mittlerweile nur noch zum Glätten der Oberfläche und zum Herausarbeiten der Zierschnitzereien.

Auch am Hackstock macht das Bildhauerbeil eine gute Figur. Es ist aber kein brachiales Abhacken von Holz, sondern vielmehr ein gezieltes, detailiertes Formen des Materials. Ideal also, um aus kleineren Holzstücken kleine Werkstücke zu erarbeiten. Nach dem Grobformen kann man die Axt gleich weiter vorne greifen und fröhlich weiterschnitzen.

Hier zeigt uns Alex die richtige Handhaltung zum Schnitzen. Das geht genauso einfach wie mit einem kleinen Messer, aber mit den Vorteilen der größeren Schneide (was für eine ebene Fläche sehr wichtig ist) und der ausgiebigeren Kraftübertragung.

So, nun zum Fazit: Die Gränsfors kostet weniger und wird mit Schneidenschutz geliefert. Wenn man mir sagen würde, ich dürfte nur eine einzige Axt besitzen, würde ich Gränsfors wählen. Kein anderes Beil ist so vielseitig. Damit kannst Du kleine Bäume fällen, Balken raushauen, ein Haus bauen, Schüsseln und Löffel schnitzen. Nachdem ich aber bereits eine Bartaxt fürs Grobe und ein Behaubeil (das ich nie benutze) habe und ein Beil für kleine bis mittelgroße Schnitzereien brauche und Wert auf Handlichkeit und kontrolliertes Arbeiten im Detailbereich lege, ist Svantes mittlere Schnitzaxt mein Liebling.

Liebe Grüße

Andreas

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3 Responses to Andis Sicht auf zwei Schnitzäxte

  1. Andreas says:

    Hallo,
    in deutscher Sprache habe ich auch noch nichts gefunden – deshalb habe ich diesen Beitrag geschrieben. Hilfreich ist es zu dem Thema in englischer Sprache zu suchen, dann findet man auf youtube einige Anleitungen dazu. Robin Wood und Ben Orford (beide Großbritannien) haben einige nützliche Tips zur Holzbearbeitung publiziert; sehr hilfreich ist das Buch von Wille Sundqist (das derzeit nicht mehr auf Deutsch lieferbar ist). Am meisten lernt man aber immer noch durch selber machen!
    Liebe Grüße
    Andreas

  2. Claus- Peter says:

    Danke für die tolle Beschreibung,
    über Berichte von Schnitzäxten habe ich schon oft im Internet gesucht, aber in deutscher Sprache habe ich kaum was gefunden. Habt Ihr evtl. Tips, welche Internetseiten sich noch mit dem Thema befassen oder ob es Bücher über Axtschnitzen gibt ?
    Das wäre wirklich super.
    Gruß aus Mittelhessen

  3. Thoma says:

    Danke für die ausführliche Beschreibung und vor allem für die Fotos, die verdeutlichen, was der Kopf nicht komplett nachvollziehen kann.
    Habe zwar oft über das filigrane Schnitzen mit der Axt gelesen, es aber wegen fehlender Darstellungen nie wirklich verstehen können. Auch, weil ich kleine Hände habe, die allein mit dem Greifen Probleme haben, geschweige denn mit dem Führen von schweren Gerätschaften.

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