Mein erstes nordisches Messer – eine Bauanleitung

Hallo,

ich habe zwar ein gutes geschmiedetes Ess- und Arbeitsmesser an meinem Gürtel, wollte aber schon länger mal eines, das besser zur Darstellung passt. Und ein größeres Schnitzmesser wollte ich auch. Sowas mal selber bauen wollte ich kurz nach Beginn dieser Überlegungen auch. Und weil ich noch nie so was wie eine Anleitung geschrieben habe, mache ich das jetzt auch noch.

Wir brauchen:

  • Messerklinge
  • Holz für den Griff, ich habe mich für Nuss (Maserknolle) entschieden
  • Metall für den Griff, ich habe mich für 3mm Messing entschieden
  • Klebstoff (Uhu endfest 300)
  • massenhaft Werkzeug, unter anderem ein Schraubstock

Die Messerklinge ist von Svante Djärv,  die Klingenlänge liegt bei 8 cm, ein gutes Mittelmaß zwischen Schnitz- und Alltagsmesser. Praktischerweise kommen die Klingen mit Kunststoffüberzug auf der Schneide, damit man sich beim Griffbasteln nicht gleich aufschlitzt. Auch ohne Griff fühlen sich die Teile schon nach genialem Werkzeug an…

Bei der Klingenlieferung ist ein Zettel dabei, auf dem steht, wie der Schmied die Klinge gemacht hat, und einer mit Hinweisen, wie der Käufer da einen Griff raufbringt, ohne die Klinge zu zerstören.

Gar nicht einfach war das Einpassen der ersten Metallplatte. Ich glaube, Messermacher sprechen da von Heft, obwohl es da gar nichts zum umblättern gibt. Mit Bohren, Sägen, Feilen und Fräsen habe ich’s beim dritten Anlauf geschafft und das Teil gleich mal angelötet, wobei ich davor die Oberfläche schon geschliffen und poliert hatte. Der Hauptvorteil beim Löten scheint nicht der zu sein, dass es damit zuverlässig hält (das hat es nämlich nicht), sondern dass beim Verkleben der Klebstoff nicht auf die Klinge rinnt (das tat er, weil die Lötstelle kurz vorm Verkleben aufgab).

Als nächstes kommen Lederstücke und Holzklötzchen dran. Ich habe mich für ein Messingplättchen in der Griffmitte entschieden, erstens weil ich’ hübsch finde und zweitens, weil ich mit dem 3mm-Bohrer nur bis zur Hälfte des Griffes komme und Samstag Nachmittag der Werkzeughändler schon geschlossen hat.

Jedenfalls bekommt alles ein Loch in der Mitte und wird auf das Messer aufgefädelt, wobei ich darauf geachtet habe, dass das erste Holzklötzchen noch einen kleinen Hammerhieb braucht, damit es schön fest sitzt. Wenn alles passt, wird das Messer am Schraubstock fixiert (mit Leder um die Klinge!) und auf die Teile nach und nach ordentlich Klebstoff draufgespachtelt. Der “UHU endfest 300″ ist 90 Minuten lang verarbeitbar, was auch nötig ist. Zum Aushärten kommt das Ganze auf die Heizung.

So, nun auf ans Schleifen! Für die Grundform ist mein kleiner Bandschleifer zuständig, dann geht’s ans Handschleifpapier. Mit 60er den Griff richtig griffig schleifen, damit die Handlage passt und dann mit wechselnden Körnungen immer weiter schleifen und schleifen und… ja, immer weiter schleifen. Wichtig ist dabei, dass Holz immer wieder feucht zu wischen. Dadurch sieht man die Schleifriefen und die Holzfasern stellen sich auf, deshalb wird’s noch glatter.

Die Endplatte bekommt zwei Messingnägel (verklebt), weil sie bisher nur am Leder klebte. Die Endbearbeitung erfolgt mit feiner Stahlwolle, Leinöl, wieder Stahlwolle und zum Abschluss unsere Holzbutter (mit Bienenwachs); die Messingteile bekommen ihre Politur mit Watte, die Klinge ihren Feinschliff. Ja, das war’s dann. Fehlt nur noch die Messerscheide – die kommt als einer der nächsten Beiträge.

Die ersten beiden Gebrauchstest hat es auch schon absolviert. Bei der Grifform hatte ich Wert auf gute Handlage als Werkmesser gelegt, trotzdem kam es zum Küchentest. Für meinen Geschmack ist die Klinge dafür ein wenig zu kurz und der Klingenrücken in Relation zur Schneide zu breit, auch passt der Griff nicht gut für Schnitte parallel zum Schneidbrett. Da es aber besser schneidet als meine Keramikkochmesser hat es die Küchenprobe jedenfalls bestanden. Als Schnitzmesser spielt es seine Stärken aus und erobert die Lücke zwischen Kerbschnitzmesser und Schnitzaxt – ein perfektes Schnitzmesser!

Liebe Grüße

Andreas

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2 Responses to Mein erstes nordisches Messer – eine Bauanleitung

  1. Sabine says:

    Schaut hervorragend aus!
    Bin begeistert, dass ich sehen durfte wie so ein Messer hergestellt wird.
    Das freut sicher auch den Schmied!

    lg, Sabine

  2. Uwe says:

    geiles Teil! :)

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