Nadeldose mit Osebergschnitzereien Teil 2

Hallo,

ich wollte mal einen neuen Schnitzstil ausprobieren und habe mich daher an einen der ältesten Greiftierstile der Wikingerzeit gewagt: Oseberg. Genauer gesagt hat es mir die Bugverzierung des Schiffes angetan.

Ach ja, ich schreibe immer noch von einer Nähzubehördose. Da gibt es ein paar Dimensionsunterschiede zum Wikingerschiff, deshalb haben sich nicht alle Details übertragen lassen – immerhin musste das Schnitzbild auf 23mm Höhe verkleinert werden. Auf 105mm Länge haben aber immerhin drei Bäuche des Greiftieres Platz gefunden.

Interessanterweise ist jedes von den Viecherln am Schiffsrumpf anders geformt – das ist ein Unterschied zu späteren Greiftierstilen, der mir erst beim Kopierversuch aufgefallen ist. Immerhin hat das mein Gewissen ein wenig beruhigt, als ich Anpassungen am Linienverlauf vornehmen musste. Es musste aber sein; besonders die Finger, die beim Original auffällig geschwungen sind, lassen erkennen, dass das Schrumpfen von Bildhauer- auf Schnitzformat sein Danegeld fordert.

Von den Museumsbildern habe ich zunächst auf kariertes Papier abgezeichnet, damit ich ein Raster habe, mit dem ich aufs Holz übertragen kann. Die Bleistiftlinien sind mit dem Kerbschnitzmesser eingeritzt und dann mit einem sehr weichen Radiergummi weggerubbelt, wobei der Abrieb in den geschnittenen Linien hängen bleibt. Das ergibt ein sehr gut sicht- und haltbares Bild – sieht man auf dem untersten Foto in der linken Ecke. Da verwischt nix mehr!

Hauptwerkzeug ist mein kleines Kerbschnitzmesser, einige Linien sind aber mit dem großen Schnitzmesser gemacht – unter anderem die Karomuster der Tierkörper. Der Kohlenstoffstahl aus der kleinen schwedischen Schmiede hat halt so seine Vorteile gegenüber dem modernen Werkzeugstahl.

Bei den Vertiefungen (die mit dem großen Messer übrigens besser gingen als mit dem kleinen!) hat mir Uwe mit einem seiner Eisen ausgeholfen – er hat da ein unheimlich schmales Stubai-Eisen, das leider für meine Hände zu lang und unhandlich ist, aber für die Vertiefungen wunderbar funktioniert.

Uwe ist aber abgereist, als ich erst eine Seite der Dose fertig hatte. Für das zweite Flechttier kaufte ich ein Geigenbauermesser, das ich auf 2mm Breite zurechtgeschliffen habe. Damit lassen sich jetzt auch die kleinen Details gut nacharbeiten.

Mittlerweile sind beide Seiten fertig – und damit fast die ganze Nadelbindenadelschatulle. Aber eben nur fast. Deshalb kommt noch eine Fortsetzung!

Liebe Grüße

Andreas

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